Zwei Katzen zusammenführen: Schritt für Schritt zum entspannten Miteinander
|
Lesezeit 8 min
|
Lesezeit 8 min
Zwei Katzen zusammenzuführen gelingt am besten über getrennte Bereiche, langsamen Geruchsaustausch und erst danach vorsichtigen Sichtkontakt, statt beide Tiere von Anfang an im selben Raum aufeinandertreffen zu lassen.
Der gesamte Prozess dauert bei den meisten Katzen zwischen zwei und sechs Wochen, in Einzelfällen auch länger. Wer diesen Ablauf abkürzt, riskiert, dass sich ein negatives erstes Bild festsetzt, das sich später nur schwer korrigieren lässt.
Hallo, liebe Katzenfreundin, lieber Katzenfreund!
Du hast Dich entschieden, eine Zweitkatze aufzunehmen, und jetzt stehst Du vor der Frage, wie die erste Begegnung ablaufen soll. Der spontane Impuls ist oft, beide Katzen einfach in einen Raum zu setzen und zu schauen, was passiert. Genau das ist der häufigste Fehler bei der Katzenzusammenführung.
Katzen sind Einzeljäger und territoriale Tiere. Anders als Hunde, die von Natur aus in Rudeln leben, ist das Zusammenleben mit Artgenossen für eine Katze keine Selbstverständlichkeit, sondern etwas, das sich erst entwickeln muss. Eine überstürzte erste Begegnung kann zu Stress, Rückzug oder sogar dauerhaften Spannungen führen, die sich nur mit viel Geduld wieder auflösen lassen.
Der langsame Weg wirkt am Anfang unnötig vorsichtig, spart aber am Ende deutlich mehr Zeit und Nerven.
In der Fachsprache wird dieser Prozess auch als Vergesellschaftung bezeichnet, also das schrittweise Zusammenführen zweier Tiere zu einer gemeinsamen Gruppe. Der Begriff macht deutlich, worum es eigentlich geht: nicht um eine einmalige Begegnung, sondern um den Aufbau eines dauerhaften, funktionierenden sozialen Gefüges zwischen zwei Samtpfoten, die sich vorher nicht kannten.
Für eine Katze bedeutet ihr Zuhause vor allem Sicherheit und Kontrolle über das eigene Revier. Eine fremde Katze, die plötzlich auftaucht, wird zunächst als Eindringling wahrgenommen, unabhängig davon, wie freundlich das andere Tier eigentlich ist.
Der Geruchssinn spielt dabei die zentrale Rolle.
Katzen orientieren sich stark über Duftmarken, die sie an Möbeln, Türrahmen und im Katzenklo hinterlassen. Eine fremde Katze bringt einen völlig neuen Geruch mit ins Haus, der zunächst als Störung des vertrauten Umfelds empfunden wird. Deshalb setzt jede seriöse Zusammenführung beim Geruch an, nicht beim direkten Sehkontakt.
Bring die neue Katze zunächst in einem eigenen, abgeschlossenen Raum unter, komplett mit eigenem Katzenklo, Napf, Wasser und Rückzugsmöglichkeiten. Die beiden Katzen sollten sich in dieser Phase noch nicht sehen können.
So baust Du den Geruchsaustausch auf:
Wichtig: Beobachte in dieser Phase, ob eine der Katzen unter der Tür knurrt oder faucht. Leichtes Interesse ist normal, aggressive Reaktionen sind ein Signal, diese Phase zu verlängern.
Erst wenn beide Katzen entspannt auf den Geruch des anderen reagieren, folgt der erste optische Kontakt, idealerweise über ein Gitter, eine angelehnte Tür mit Türstopper oder einen Raumtrenner.
Halte diese ersten Begegnungen kurz, im Bereich von wenigen Minuten, und beende sie, bevor eine der Katzen gestresst wirkt.
Positive Assoziation ist hier das Ziel:
Füttere während des Sichtkontakts beide Katzen mit besonders schmackhaftem Futter oder spiele mit beiden gleichzeitig auf jeweils ihrer Seite. Wenn beide entspannt fressen oder spielen, ohne die Barriere ständig zu fixieren, ist das ein gutes Zeichen für den nächsten Schritt.
Zeigt eine Katze wiederholt Fauchen, aufgestellte Nackenhaare oder Fluchtversuche, geh einen Schritt zurück zur reinen Geruchsphase und versuch es nach ein paar Tagen erneut.
Wenn der Sichtkontakt über die Barriere entspannt verläuft, kann die Trennung schrittweise aufgehoben werden. Beginne mit kurzen, beaufsichtigten Sitzungen im selben Raum, bei denen Du jederzeit eingreifen kannst.
Worauf Du in dieser Phase achten solltest:
Kleine Rangeleien mit tastenden Pfotenhieben ohne ausgefahrene Krallen sind normales Kennenlernverhalten. Lautes Fauchen mit anschließendem Rückzug beider Tiere ist ebenfalls kein Drama. Erst bei anhaltender Aggression mit Verletzungsgefahr solltest Du sofort eingreifen und die Zusammenführung wieder auf die vorherige Phase zurückstufen.
Bevor die eigentliche Zusammenführung startet, lohnt sich ein Blick auf die konkrete Ausgangssituation im Haushalt.
Der Neuankömmling sollte in den ersten Tagen einen klar abgegrenzten eigenen Bereich haben, in dem die bereits ansässige Katze noch keinen Zugriff hat.
Ruhe ist dabei der wichtigste Faktor überhaupt. Wähle für den Rückzugsraum kein Durchgangszimmer, sondern einen Raum, den Du zeitweise schließen kannst, ohne dass ständig Trubel oder Kontrollbesuche der Bestandskatze vor der Tür stattfinden.
Jede unnötige Unruhe in dieser frühen Phase wirkt sich direkt auf das spätere Vertrauen aus, weil sich der Neuankömmling in einem lauten, unsteten Umfeld gar nicht erst entspannen kann. Wenn im Haushalt ohnehin viel los ist, etwa durch Kinder oder andere Haustiere, lohnt sich bewusst mehr Ruhe in genau diesem einen Zimmer, auch wenn das im Alltag Organisation kostet.
Richte in diesem Raum auch eigene Schlafplätze ein, etwa eine Kuscheldecke oder ein kleines Körbchen, damit sich der Neuankömmling einen eigenen, vertrauten Geruchsraum aufbauen kann, bevor überhaupt Kontakt zur zweiten Katze stattfindet.
Diese Vorbereitung entscheidet oft mehr über den späteren Erfolg als die eigentlichen Begegnungsphasen. Eine Katze, die sich in ihrem ersten Rückzugsraum sicher fühlt, geht insgesamt gelassener in die folgende Situation mit der Bestandskatze.
Schon während der Zusammenführung lohnt es sich, die Grundausstattung auf zwei Katzen auszurichten, damit spätere Konkurrenz um Ressourcen gar nicht erst entsteht.
Katzentoiletten:
Die Faustregel lautet eine Toilette pro Katze plus eine zusätzliche. Bei zwei Katzen also mindestens drei Katzenklos, an unterschiedlichen Standorten verteilt, nicht nebeneinander. Das verhindert, dass eine Katze das Klo der anderen als fremdes Revier meidet.
Fressplätze getrennt halten:
Jede Katze sollte ihren eigenen Napf haben, im besten Fall räumlich getrennt, damit während der Mahlzeit kein Konkurrenzdruck entsteht.
Katzenstreu bewusst wählen:
Gerade im Mehrkatzenhaushalt zeigt sich schnell, wenn ein Streu unter intensiver Nutzung nachlässt. Klumpendes Katzenstreu aus Erbsenfasern mit dauerhafter Geruchsbindung sorgt dafür, dass sich das Katzenklo nicht zu einem Streitpunkt zwischen den Tieren entwickelt, weil es auch bei mehrfacher täglicher Nutzung formstabil und geruchsneutral bleibt.
Mehr dazu findest Du in unserem Ratgeber Katzenstreu Mehrkatzenhaushalt: Worauf es wirklich ankommt.
Bei den meisten Katzenpaaren führt der schrittweise Prozess irgendwann zu einem entspannten oder zumindest neutralen Nebeneinander, vorausgesetzt Du bringst genug Geduld für die einzelnen Phasen mit. In manchen Fällen bleibt die Spannung jedoch bestehen, auch bei viel Geduld und einem korrekt durchgeführten Ablauf.
Wenn nach sechs bis acht Wochen konsequenter Zusammenführung weiterhin aggressive Auseinandersetzungen mit Verletzungsgefahr auftreten, wenn eine der Katzen anhaltend das Fressen verweigert oder sich dauerhaft versteckt, oder wenn körperliche Symptome wie Übersprungshandlungen, exzessives Putzen oder unsauberes Verhalten hinzukommen, ist es sinnvoll, eine Verhaltensberatung oder Deinen Tierarzt einzubeziehen. Manche Katzenkombinationen brauchen einfach länger, in seltenen Fällen bleibt eine dauerhafte Distanz aber auch die realistischste Lösung.
Im Schnitt zwei bis sechs Wochen, in Einzelfällen deutlich länger. Entscheidend ist, dass jede Phase erst abgeschlossen wird, wenn beide Tiere entspannt reagieren, statt nach einem festen Zeitplan vorzugehen.
In vielen Fällen ja, weil Kitten weniger territoriales Verhalten zeigen und von erwachsenen Katzen oft toleranter behandelt werden. Der schrittweise Ablauf bleibt aber trotzdem wichtig.
Das ist ein gutes Ergebnis. Nicht jedes Katzenpaar wird beste Freunde, ein entspanntes, konfliktfreies Nebeneinander ist bereits ein voller Erfolg.
Nein. Getrennte Ressourcen von Beginn an verhindern unnötige Konkurrenzsituationen und erleichtern die gesamte Zusammenführung erheblich.
Vereinzeltes Fauchen mit anschließendem Rückzug ist normales Kennenlernverhalten. Anhaltendes, aggressives Fauchen mit Verfolgung oder Krallenangriffen ist ein Zeichen, die Zusammenführung zu verlangsamen.
Ein freundliches Temperament hilft, ersetzt aber nicht die schrittweise Gewöhnung. Auch verträgliche Katzen brauchen Zeit, um eine fremde Katze als Teil des eigenen Reviers zu akzeptieren.
Sehr wichtig. Katzen nehmen ihre Umwelt in erster Linie über den Geruchssinn wahr, deutlich stärker als über das Sehen. Ein sauberer, schrittweiser Geruchsaustausch vor dem ersten Sichtkontakt ist der wichtigste einzelne Faktor für eine erfolgreiche Zusammenführung.
Kurzzeitiger Appetitverlust durch Stress kommt vor, sollte aber genau beobachtet werden. Frisst eine Katze über 24 Stunden gar nichts, ist tierärztliche Abklärung nötig. Mehr dazu in unserem Artikel Katze frisst nach Stress nicht: Ab wann wird es gefährlich?.
Welches Streu passt zu deiner Katze?
Welches Streu für Deine Katze am besten passt, hängt von vielen Faktoren ab, und manchmal hilft die Erfahrung anderer mehr als jeder Ratgeber. In der Majescats Community tauschen sich Katzenhalter genau über solche Alltagsfragen aus.
Für iPhone oder für Android laden.
Zwei Katzen erfolgreich zusammenzuführen ist eine Frage der Reihenfolge, nicht des Zufalls. Geruch vor Sicht, Sicht vor direktem Kontakt, kurze Begegnungen vor langen:
Wer diese Schrittfolge einhält und jede Phase erst abschließt, wenn beide Tiere entspannt reagieren, legt die Basis für ein stabiles Miteinander. Rückschläge gehören dazu und bedeuten nicht, dass die Zusammenführung gescheitert ist, sondern nur, dass ein Schritt zurückgegangen werden muss.
Am Ende zahlt sich vor allem eines aus: Geduld, gepaart mit Ruhe im gesamten Ablauf, bringt zwei Samtpfoten deutlich zuverlässiger zusammen als jeder Versuch, den Prozess zu beschleunigen.